das Prinzip coop – Hannes Meyer und die Idee einer kollektiven Gestaltung

Bauhaus Dessau in Mexiko

Die Ausstellung „das prinzip coop – Hannes Meyer und die Idee einer kollektiven Gestaltung“ widmet sich den Fragen zum Verhältnis von Gesellschaft und Gestaltung, von individueller und gemeinschaftlicher Kreation und Produktion, wie sie besonders unter dem zweiten Bauhausdirektor Hannes Meyer verhandelt wurden, der ab 1939 im mexikanischen Exil lebte.

Durch Hannes Meyers öffentliches Bekenntnis zum Marxismus und Stalinismus wurde auch die Rezeption seines Schaffens politisch beeinflusst, was wesentlich zur Marginalisierung seiner Person neben den beiden anderen Bauhausdirektoren Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe beitrug. Die Ausstellung „das prinzip coop – Hannes Meyer und die Idee einer kollektiven Gestaltung“, die im Rahmen des Deutschlandjahres in Mexiko im Museo Franz Mayer zu sehen sein wird, widmet sich nun erstmals thematisch der Frage der Gestaltungspraxis von Hannes Meyer. Dabei legt sie den Fokus auf sein Schaffen in Mexiko, wo er auf Einladung von Lázaro Cárdenas ab 1939 lebte und arbeitete. Hier wurde Meyer zum Direktor des neu gegründeten Instituts für Städtebau und Planung ernannt und gründete 1942 den Verlag „La Estampa Mexicana“, der wiederum Teil der Künstlervereinigung „Taller de Gráfica Popular“ (Werkstatt der Volksgraphiker) war, die er von 1947 bis 1949 leitete.

„das prinzip coop“ stellt eine Koproduktion der Stiftung Bauhaus Dessau, des Museo Franz Mayer und der Universidad Nacional Autónoma de México unter Leitung des Goethe-Instituts Mexiko dar. An dezidiert ausgewählten Projekten wird vermittelt, was Hannes Meyer unter einem kooperativen Gestaltungsprozess verstand; ein Prozess, der kollektiv an breite Bevölkerungsschichten gerichtet war und der zugleich „weltanschauliche demonstration“ verkörpern sollte. Dabei richtete Meyer nicht nur in Deutschland, sondern auch in seinem mexikanischen Exil Lehre und Werkstätten, Planung und Architektur radikal am Kollektiv und seinen Bedürfnissen aus.

Knapp 200 Exponate und Modelle zeigen, wie sich dies konkret in den Konzepten von Meyer, seiner Gestaltung und der Lehre ablesen lässt. Zentral hierbei ist die neue Rolle, die dem Architekten zugewiesen wird: Er sollte nicht mehr Baukünstler, sondern dienender Gestalter sein. In Anlehnung an das Gedankengut von Pestalozzi suchte Meyer mittels der Gestaltung nach dinglichen harmonischen Bindegliedern zwischen Individuum und Gesellschaft, ergänzt um den Begriff der Landschaft als schicksalbestimmendes Element. Die Ausstellung diskutiert diese Problematik, indem sie Meyers Schaffen internationalisiert und seine unterschiedlichen Wirkungsorte in der Schweiz, Deutschland, Russland und Mexiko verbindet.