Tessa Blomstedt gibt nicht auf von Christoph Marthaler

In „Tessa Blomstedt gibt nicht auf“ setzt Christoph Marthaler Liebessehnsucht, Mediengetue und das digitale Business der Dating-Portale in Dialog und gibt seine Akteure auf komische und berührende Weise zugleich den Wirrungen des Datings in der Gegenwart preis.

Christoph Marthaler zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen Regisseuren. Sein Musiktheater hat die deutschsprachige Theaterszene nachhaltig geprägt. Mit „Tessa Blomstedt gibt nicht auf“ greift er auf humorvolle Weise das Thema der Partnersuche in Zeiten von Chatportalen und Clubdatings auf und verwandelt seine Inszenierung in einen Liederabend: Gamben-Soli, Arien von Purcell, Schlager und kleine Intermezzi – vorgetragen von Liebessehnsüchtigen Castingteilnehmerinnen – ziehen das Publikum in den Bann dieses unkonventionellen Stücks.

Tessa Blomstedt ist eine Frau mit mehreren Geburtsdaten. Man könnte auch sagen, dass sie mindestens drei Generationen gleichzeitig verkörpert; wahrscheinlich aber deutlich mehr. Entsprechend gut kennt sie sich aus in Liebes- und Eheanbahnungsfragen, auch wenn sie bis heute noch nie ganz erfolgreich gewesen ist auf diesem Gebiet. Was einst mit Tinte geschriebene und wachsversiegelte Briefe waren und wochenlang ersehnte Begegnungen in den städtischen Parkanlagen, verwandelt sich vor Tessas Augen in Schreibmaschinenpost, Telefonverabredungen, Diskobekanntschaften, Clubdating und Mailkontakt. Es wäre gelogen zu behaupten, dass Tessa bereits jetzt eine Souveränität erlangt hätte im Umgang mit Portalen und Profilen. Die unzähligen AGB’s, die sie stets aufmerksam liest, verwirren sie. Aber schließlich stimmt sie zu. Denn sie will finden und gefunden, angeklickt und heiß begehrt werden. Im Besitz zahlloser Nicknames ist sie ununterbrochen unterwegs in den sich immer weiter vergrößernden Gärten elektronischer Kontaktaufnahme. Und kann es kaum erwarten, das nächste vielversprechende Liebesangebot aus dem Daten-Orbit zu erhalten.
In „Tessa Blomstedt gibt nicht auf“ setzt Christoph Marthaler Liebessehnsucht, Mediengetue und das digitale Business der Dating-Portale in Dialog und gibt seine Akteure auf komische und berührende Weise zugleich den Wirrungen des Datings in der Gegenwart preis. Anna Viebrock, die schon seit vielen Jahren sehr erfolgreich mit Marthaler zusammenarbeitet und zu den erfolgreichsten Bühnenbildnerinnen Deutschlands zählt, hat die Kostüme und das Bühnenbild für dieses Stück entworfen.

Mit: Tora Augestad (Kekke), Altea Garrido (Frauke), Olivia Grigolli (Heike), Lilith Stangenberg (Silke), N. N. (Tessa Blomstedt), N. N. (Irm Hermann), Clemens Sienknecht (Helfried), Ulrich Voß (Ein Retrovirus), Martin Zeller (Young Vallotti), Heidi Gröger (Young Vallotti), Clara Andrees (Ein junges Paar), Luise Andrees (Ein junges Paar) und die Stimme von Josef Ostendorf (Cantus Firmus).

Regie: Christoph Marthaler
Bühne: Anna Viebrock
Kostüme: Anna Viebrock
Licht: Henning Streck
Musikalische Leitung: Clemens Sienknecht
Regie-Mitarbeit: Gerhard Alt
Video: Konstantin Hapke
Ton: Klaus Dobbrick
Dramaturgie: Malte Ubenauf